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Essay·Juni 2024·6 Min.

Warum Familienunternehmen drei Jahre zu spät beginnen — und welche Frage am Esstisch alles ändert.

Bürodetail

Die meisten Nachfolgegespräche in Schweizer Familienunternehmen beginnen mit einem Satz, der bereits das Scheitern enthält: «Wir sollten uns mal Gedanken machen.» Wenn dieser Satz fällt, ist es typischerweise drei Jahre zu spät. Nachfolge ist nicht ein Projekt, das man irgendwann startet, sondern eine Daueraufgabe, die ab Tag eins der Unternehmensführung mitgedacht werden muss.

Drei Jahre zu spät — warum?

Die formale Nachfolge — Notar, Verträge, Bewertung — dauert sechs bis zwölf Monate. Die emotionale Vorbereitung der übergebenden Generation dauert drei bis fünf Jahre. Der Aufbau eines tatsächlich übernahmefähigen Nachfolgers oder einer externen Lösung dauert ebenfalls drei bis fünf Jahre. Das Problem: Diese drei Zeitachsen werden in den meisten Familien parallel gestartet, statt seriell vorbereitet.

Die eine Frage

Wir haben in vielen Beratungsmandaten mit Familienunternehmen festgestellt, dass die folgende Frage am Esstisch — nicht im Beratungsraum, nicht im Verwaltungsrat — die meiste Bewegung erzeugt: «Wenn ich nächstes Jahr nicht mehr da wäre, wer würde dieses Unternehmen führen, und unter welchen Bedingungen?»

Sie ist deshalb wirksam, weil sie zwei Themen gleichzeitig auf den Tisch zwingt, die normalerweise getrennt verhandelt werden: die operative Frage (wer kann das überhaupt?) und die persönliche Frage (will diese Person das unter den heutigen Bedingungen?). Beide haben meistens unterschiedliche Antworten.

Was sich verändert, wenn die Frage gestellt wird

  • 01Plötzlich werden Investitionen anders bewertet — nicht mehr nach Pay-Back, sondern nach Übergabe-Tauglichkeit.
  • 02Strukturen, die nur funktionieren, weil der Patron sie im Kopf hat, werden sichtbar — und müssen aufgeschrieben oder aufgelöst werden.
  • 03Familienmitglieder, die sich nie eingebracht haben, äussern sich plötzlich. Was meistens eine schlechte Idee ist, aber die Klärungspflicht ist real.
  • 04Die externe Option (Verkauf, Management-Buy-Out, externer CEO) wird gleichberechtigt diskutierbar — was sie in den Jahren davor selten war.

Was Nachfolge nicht ist

Nachfolge ist nicht ein Tag, an dem eine Person die Schlüssel übergibt. Nachfolge ist eine Phase von typischerweise fünf bis sieben Jahren, in denen sich Eigentumsstruktur, Führungsverantwortung, operative Routine und Identität des Unternehmens parallel weiterentwickeln. Wer das als Projekt mit Anfang und Ende behandelt, optimiert die falsche Variable.

Was wir in solchen Mandaten konkret tun

Wir starten selten mit der formalen Nachfolgefrage. Wir starten mit einer ehrlichen Standortbestimmung: Welche Strukturen funktionieren nur, weil der heutige Patron sie trägt? Was wäre nötig, damit das Unternehmen ohne diese Person weiterläuft? Das ist die eigentliche Vorbereitung — und sie hat Wert, selbst wenn die Nachfolge danach um fünf Jahre verschoben wird.

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